Also beim TAX, dem Tübinger AktienindeX - errechnet aus den Werten der drei börsennotierten tübinger firmen und regelmäßig veröffentlicht von der tübinger tageszeitung, dem schwäbischen tagblatt - wird ja irgendwann festgestellt werden, daß er auf geheimnisvolle weise die entwicklung des weltbörsengeschehens weit besser repräsentiert als irgendein anderer aktienindex in diesem universum.

was aber sagt der TÜWEX, der TÜbinger WErbebeilagenindeX, demgegenüber aus?

nun, zunächst einmal, wie schwer das monatliche paket aus werbebeilagen des schwäbischen tagblatts ist.

der TÜWEX wird seit 1991 berechnet und ist damit weit älter als der TAX. das internet erlaubt nun sein allmähliches bekanntwerden auf diesem planeten. mit klick auf die kleine graue grafik finden sie zur großen grauen grafik mit der entwicklung der gewichtswerte. es zeigt sich, daß es der werbebeilagen immer mehr werden.

daraus könnte man schließen, daß immer weniger menschen einkaufen gehen und die wirtschaft diesem bedenklichen verhalten mit immer mehr bunten blickfängen zu begegnen versucht. eines tages wird dann niemand mehr etwas einkaufen, weil die werbung mittlerweile mit gabelstaplern vor den hauseingängen abgelegt wird und keiner mehr hinauskommt. dann wäre wohl etwas schiefgelaufen.

um diese mögliche entwicklung zu repräsentieren, müßten die jeweiligen jahreskurven mit daten über die benutzung der tübinger haustüren kombiniert werden (z.b. die durchschnittliche durchschreitefrequenz unter einschluß eines faktors, der den anteil der "haupteinkäuferinnen" an der bewohnerschaft eines hauses zu erfassen versuchte). für diese sinnvolle erweiterung der datensätze reicht aber leider unsere mannkapazität nicht aus (davon abgesehen sind wir auch noch nicht völlig durchgeknallt!).

es bleiben immerhin die nackten zahlen: mit klick auf die zahlengrafik gelangen sie zur grafik mit den grammzahlenkolonnen für all die jahre. hier läßt sich ablesen, wie die wirtschaft im raum tübingen relativ zuverlässig im einen jahr den werbebeilagenausstoß spürbar erhöhte, um im nächsten jahr leicht bis massiv zurückzuschrauben (moralischer schreckreflex beim jährlichen ökogedenken?).

woraufhin aber ein erneuter vorstoß in ungeahnte papiermengen erfolgte.

vor allem das jahr 1999 brachte einen, wie man heute so schön sagt: quantensprung mit sich, und der verlauf des letzten jahrtausendjahres zeitigte zwar zum ende hin eine spürbare monatsmengenreduktion, die jedoch die vormonate beileibe nicht ausgleichen konnte. nein: kein (gewissermaßen) quantenrückhüpfer. im gegenteil!

kommen wir dennoch zum eigentlichen TÜWEX.

wir sind ja gar nicht so (nämlich öko-puristisch)! um einen indexwert 1 als grundlage zu erhalten, nehmen wir an, jeder zeitungsausgabe läge 1 werbebeilage durchschnittlichen gewichts bei. damit kommen wir bei einer angenommenen verzinsung von 5,8%... verflixt, der kapitalismus erwischt einen doch ständig und unvorbereitet! also nochmal: kommen wir bei ca. 24 zeitungsausgaben pro monat auf einen gewichtswert von etwa 900 gramm.

nein! ganz so großzügig sind wir doch nicht. wir wollen wenigstens den gleichstand zwischen beilagenfreier und beilagenversehener zeitung; also halbieren wir das monatsgewicht (nur jeden zweiten tag eine beilage!), geben noch einen fuffi drauf und erhalten einen indexwert von 500 gramm werbebeilagen/monat = 6000 gramm/jahr = 1.

damit wären wir glücklich, damit könnten wir leben. (und im august 1998 war die realität doch glatt noch mal in der nähe dieses wertes, wenngleich in der aushäusigen ferienzeit.)

so zeigen sich endlich die endgültigen werte des TÜWEX und zwar genau dann, wenn sie wiederum der nebenstehenden grafik die hand geben.

(für ihre ausdauer beim lesen dieses textes gibt es übrigens noch eine kleine belohnung: in zukunft können sie die werteseite auch direkt von der gruenblatt-homepage erreichen, indem sie auf dem TÜWEX-logo ganz rechts außen klicken! mit fast ganz rechts außen erreichen sie sofort die monatsdatenseite.)

wie zu erkennen ist, haben wir uns bei der darstellung für einen jahreswert entschieden. noch wollen wir dem TAX mit ständig aktualisierten monatswerten nicht konkurrenz machen. dazu mehr weiter unten!

bleiben wir bei den zahlen. letztendlich sagt der TÜWEX für sich allein so überragend viel ja gar nicht aus. immerhin ist er eine schöne, klare und, wie wir hoffen, nachvollziehbare größe, die sich, wie wir weiter hoffen, in ihr gehirn fressen wird und ihnen fürderhin (bei solchen sätzen braucht es einfach solche wunderbaren altmodischen vokabeln!) bei jedem zornigen bücken nach den aus der frühmorgens just ins haus geholten zeitung gefallenen werbebeilagen (doch, die grammatik des satzaufbaus stimmt noch!) vor ihrem noch kaffeeunbeduselten inneren auge stehen wird.

um ihre vorstellungskraft noch etwas anzustacheln, bringen wir jetzt zusätzlich die derzeitige auflage des schwäbischen tagblatts von täglich 46000 exemplaren ins spiel. wir gestehen gerne zu, daß nicht zwangsläufig überall im verbreitungsgebiet dieser zeitung exakt dieselbe menge an werbebeilagen anzutreffen sein wird. unsere daten stammen jedenfalls aus exemplaren für die tübinger alt- bzw. weststadt, und wir erlauben uns, sie (an diesem punkt ungeprüft!) als maßstab zu nehmen; es mag anderswo mehr, es mag anderswo weniger buntpapier/tag geben!

rechnen wir also wieder, und sie dürfen auf die turmgrafik links klicken (ahnen sie schon etwas?).

so ist das also: mittlerweile haben wir die "magische grenze" von jährlich 1000 tonnen zeitungswerbemüll im einzugsbereich des tagblatts spürbar überschritten, und dieser berg wird auf annähernd dieselbe zahl von bewohnerinnen dieses gebietes geschaufelt wie acht jahre zuvor (jedenfalls nicht auf doppelt so viele wie damals!). uns scheint, daß es die wirtschaft sehr schwer mit den hiesigen zu haben scheint (und ihnen dies subtil übers buntpapier zu vermitteln versucht - wenn wir da mal kurz ins gewichtspsychologische abdriften dürfen...).

nun sollten wir abschließend zu den schweren schlußfolgerungen kommen. wir sparen sie uns und behaupten einfach in froher zuversicht, daß dem TÜWEX dereinst einmal noch existentiellere bedeutung zufallen wird als dem TAX:

denn uns ist völlig klar (das macht die arbeit mit solch purer mathematik wie hier): wenn der TAX in hoffentlich ferner zukunft einmal bei 1 steht, ist die welt, wie wir sie kennen, wohl schon untergegangen. sollte aber der TÜWEX die magische 1 erreichen (oder sogar unterschreiten!), dann wird die welt, wie wir sie kaum noch vorzustellen wagen, ein beträchtliches stück bessergeworden sein. und was der zeitung an farbtupfern fehlt, wird in den augen der leserinnen zu finden sein, die anderes im sinn haben werden als die schnäppchenjagd.

amen. auch wenn wir das ganz 70er-jahre-mäßig ernst meinen (jedem sein revival!).

 

haben sie sich jetzt von unserer emphase reinlegen lassen? natürlich wird gerade auch wenn der TAX bei 1 angekommen ist, der TÜWEX die 1 erreichen, nur etwas später. im sinne unserer obigen argumentation wird die wirtschaft noch um die letzten pfennige ihrer kunden mit papierfluten kämpfen, um sich dann doch dem zusammenbruch der ökonomie zu ergeben. das leben ist einfach komplexer! also glauben sie den zahlen nicht so viel und studieren sie mal wieder etwas anderes als die werbebeilagen. die legen sie auch rein!