Technisches

Dies ist noch eine Testphase für die Oikolinks. Die Bitte um Abdrucklizenz wird erfolgen. Der Grund für die Kopieerstellung liegt darin, daß manche Zeitungen - wie zum Beispiel die Südwestpresse in Ulm, die für den überregionalen Teil des Schwäbischen Tagblatts verantwortlich zeichnet - ihr Online-Archiv nur für eine gewisse Zeit, in diesem Fall zwei Wochen lang, kostenlos halten.

 

Hintergrund

Es fällt den Erstellern dieser Seite öfter auf, daß darüber gejammert wird, zu wenig Positives geschähe - überhaupt in der Welt und im Umweltbereich genauso. Wir sind der Meinung, daß dies richtig und falsch zugleich ist.

Falsch ist der meist mitklingende Subtext, eigentlich geschähe gar nichts Positives mehr in der Welt. Das ist dann auf Nachfrage zwar meist nicht wirklich so gemeint, aber der grundlegende Pessimismus ist da und echt.

Unserer Meinung nach erklärt sich dieser Pessimismus in vielen Fällen aus einer Mischung aus mangelnder Auseinandersetzung mit der Langfristigkeit gesellschaftlicher Projekte und damit verbundener Blindheit für das Einzelne, Unauffällige, Kleinteilige.

Das gesellschaftliche Projekt der wahrhaft menschlichen Gesellschaft wird viel länger brauchen als die paar Jahrzehnte, die seit 1968 vergangen sind (um nur einen wichtigen Zeitpunkt der Vergangenheit zu nennen). Es scheint aber leider so zu sein, daß das Ende der Alternativ-Bewegung - nicht der Alternativen, wohlgemerkt!! - den Blick vieler "Ökos" (und anderer, und anderer!!!) zielsicher auf die Rückschläge und Fehlschläge gerichtet hat.

So verständlich das sein mag, so kurzschlüssig ist es. Denn zu Ende gegangen ist nur eine heiße Phase! Von 1968 aus betrachtet: eine Anfangsphase modernen politisch-ökologischen Denkens und Handelns. Heute gibt es den großen Aufruhr, das leidenschaftliche Feuer der Bewegung, das sich in Großdemonstrationen und Großaktionen sichtbar macht, nicht mehr.

Aber es gibt das Kleine, Unauffällige, Einzelne, Verstreute - und Langfristige. Es gibt die Vielzahl von Initiativen und Projekten, die faktisch existieren, auch wenn sie in keine Bewegung mehr eingebunden sind, die ohne den Kampf der Umweltbewegung der letzten Jahrzehnte gar nicht vorstellbar wären - und wenn BASF und andere Große sich heute noch so sehr ihr Öko-Engagement auf die Fahnen schreiben: sie waren nicht diese Wegbereiter!

Dem Kleinen fehlt es oft an übergreifender Leidenschaft, an massiv sichtbarer Wirksamkeit. Das liegt in seiner Natur. Desgleichen scheint in der menschlichen Natur zu liegen, daß wir erst noch lernen müssen, die Verschachteltheit menschlichen Handelns, die Vielfalt der Wechselwirkungen in der Gesellschaft angemessen zu erfassen und einzuschätzen. (Wen das mehr interessiert, möge zum Beispiel zu den Arbeiten des Psychologen Dietrich Dörner greifen - Namenseingabe bei Google genügt! Vor allem die "Logik des Mißlingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen" ist ein auch für Laien gut lesbares und immens anregendes Buch!)

Wir müssen, denken wir, den sehnsuchtsvollen Blick nach der besseren Welt noch vielfältig trainieren: für das Unauffällige, Verstreute. Dann wird sich zeigen, wieviel sich doch tut.

Nur - und hier hat der Pessimismus zunächst recht: Es gibt von vielem, das geschieht, zu wenig! Es gibt Modellprojekte, Einzelinitiativen... und oft wünscht man sich schlicht: möge dieses oder jenes Beispiel jetzt doch bitte vielerorts wiederholt, angepaßt, aber jedenfalls ebenfalls verwirklicht werden.

Etwas flapsig könnte man sagen: Es sind alle Elemente für die menschlichere Welt längst vorhanden - nur zu selten, zu unbekannt!

Und genau darum soll es auf diesen Seiten hier gehen: ein wenig der Blindheit entgegensteuern, die Phänomene der Verstreutheit und der Kleinteiligkeit auch diskutieren...

...aber jedenfalls eins dabei nicht tun: die Welt schöner reden, als sie ist.

Viel realistischer als die lauthalsen Bekundungen, wie wunderbar doch die gesellschaftlichen Entwicklungen sich heute auch im Ökologischen präsentierten, scheint uns der weitere Verweis auf eine Schule des Denkens: der französische Sozialpsychologe Serge Moscovici hat sich seit langem mit der Bedeutung des Einflusses von Minderheiten beschäftigt. Er begründet (vor allem in seinem Buch "Sozialer Wandel durch Minoritäten" - siehe ebenfalls per Google!), daß es den gibt. Langfristig.

Wie bei den Projekten selbst müssen wir erst lernen, die unauffälligeren gesellschaftlichen Veränderungen durch die Vielzahl der Einzelaktivitäten überhaupt angemessen wahrzunehmen. Wir sollten unsere Einschätzungen der Gegenwart nicht allein auf die Macht und Eindrücklichkeit der Großen (Konzerne, Staatsführungen, mediale Lautsprecher etc.) bauen, selbst wenn das so nahe liegt.

Wir dürfen die Macht der Großen nicht ignorieren, aber uns scheint, daß inzwischen der Blick vieler, auch und gerade altgedienter (ehemaliger) Öko-Aktiven, wie der der Maus auf die Überschlange gerichtet ist: es hat doch eh alles keinen Zweck!

Womit wir wieder am Anfang unserer Argumentation angelangt wären:

Und dann wird im Wesentlichen gejammert - und das Werk des Gegners getan. Gesellschaftliche Reaktion aber redet sehr gerne einer angeblichen Rückkehr zum "Bewährten, Wahren, Guten" das Wort. Damit ist dann stets eine Rückkehr zur "Autorität und Eindeutigkeit", sowie gerne auch zu althergebrachten Geschlechterrollen gemeint. (Man möge diesen weiters undiskutierten Rundumschlag hier verzeihen - und ihn selber prüfen!)

Solche Reaktion kann gelassen hinter den Fahnen ihrer in schlichter Argumentation gewaltigen Führer abwarten, wenn die Individualisten der Zukunft nicht begreifen, daß wir wirklich und wahrhaftig erst am Anfang der menschlicheren Zukunft stehen.

(Ok, wir hören jetzt mal einfach auf, ehe Pathos und Thesenhaftigkeit uns überwältigen!)