uniSPIEGELonline, 11.12.2006 | |
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AFRIKA-PROJEKT - Wie kommt das Kondom in die Cola-Dose?
Dosenlimonade gibt es in Afrika in fast jedem Dorf. Kondome nicht. Kieler Designstudenten verbinden beide Produkte, um Menschen in entlegenen Gebieten Schutz vor Aids zu ermöglichen - Verhütung aus jeder Dose. Ihr Problem dabei: Wie schützt man ein Präservativ?
Kiel - Mit Weißblech gegen Aids - wenn es nach dem Kieler Professor für Industriedesign, Dieter Zimmer, ginge, könnte schon bald mit jeder Coca-Cola-Dose etwas gegen Aids in Afrika getan werden. In einem Projekt entwarfen 36 Studenten der Muthesius-Kunsthochschule verschiedene Modelle, wie man die Büchsen mit einem Kondom und einer Gebrauchsanweisung ausstatten kann.
Anti-AIDS-Blech: Entwürfe für die Kondom-Dose
Heraus kamen Varianten, bei denen das Kondom samt Infozettel in einem Kunststoffaufsatz auf oder unter der Dose versteckt wird oder in einer Spezialverpackung in der Brause schwimmen soll. "Spread love, not Aids" ist einer der Sprüche, mit denen gleichzeitig für die Verhütung geworben werden soll.
Das ungewöhnliche Hochschulprojekt aus Kiel hat einen ernsten Hintergrund: Laut Unaids, einer Organisation der Vereinten Nationen, fehlen in Afrika jährlich zwei Milliarden Präservative. Coca-Cola gibt es hingegen in Afrika in nahezu jedem Dorf. Über die weitverästelten Vertriebswege der Firma, so Zimmers Idee, könnte man die Verhütungsmittel auch in die entlegensten Regionen bringen.
Mit einem rot-weißen Prospekt versuchen die Kunsthochschüler nun, dem Unternehmen ihr Projekt schmackhaft zu machen. Aussicht auf Erfolg besteht: Coca-Cola Deutschland findet das Projekt interessant und will die Vorschläge an die Europa-Zentrale in Brüssel weitergeben.
Es folgen die dem Artikel beigefügten Abbildungen. Der Klick auf die originale Bildunterschrift führt zum jeweiligen Bild.
(Das Copyright für sämtliche Abbildungen liegt bei der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel.)
Modell Doppeldeckel: Auf der Unterseite der Coladose brachten Kieler Designstudenten einen weiteren Verschluß an, unter dem ein Präservativ Platz findet - eine Idee von Verena Conrad, Mareen Sorban und Thomas Brahe, die an der Muthesius-Kunsthochschule studieren. Im Projekt "Upside Down" machten die Studenten sich Gedanken, wie man etwas gegen Aids in Afrika tun kann.
Deshalb entwickelten die Studenten Konzepte, um mit Coladosen, die fast jedes afikanische Dorf erreichen, auch Kondome in der Bevölkerung zu verteilen. Zum Beispiel mit dem "Share Pack": Das Kondom versteckt sich zwischen zwei Dosen, die durch eine Schlauchkonstruktion zusammengehalten werden. Design: Anika Paape, Merret Windschild, Fabian Schoeder und Daniel Widmer
Schockierende Statistik: Die Studenten präsentieren Zahlen, die zu denken geben. In Swaziland sind 38,8 Prozent der Bevölkerung mit Aids infiziert. Jeden Tag sterben im Bereich der Subsahara 6315 Menschen an den Folgen der Immunschwäche.
Modell "Weitersagen": Das Design von Peer Hülsenbeck, Oliver Lang und Benjamin Brück soll auch die Scham vor dem Kondomkauf senken. Der abgetrennte Kondombehälter kann als Ansteck-Button mit der Aufschrift "Spread Love not AIDS" verwendet werden.
Doppeldeckel II: Beim Modell "Safe Taste" wird ein zweiter Deckel auf der Dose befestigt - ein Entwurf von Ashen Ovsenian, Gyde Hansen und Sophie von Schaewen.
Konzept "My Precious": In dem Entwurf von Sascha Morawetz und Jens Pinkepank wird das in goldener Folie verpackte Kondom durch ein solides Polyproplen-Case geschützt. Die Dose muss dabei nicht verändert werden.
Überraschungsei-Prinzip: Beim Entwurf "Safer Africa" von Philipp Warnecke und Koray Pamukcular schwimmt die Kondomverpackung frei in der Dose. Nach Verzehr des Getränks...
...wird der Deckel mit Hilfe einer Schleife geöffnet. Die Kondompackung soll es mit verschiedenen Motiven geben.
Gebrauchsanleitung: Den meisten Entwürfen liegen Instruktionen zur Benutzung und Infos über HIV bei.
Reissverschlußverfahren: Till Kemlein und Jan Hufnagel umschlossen die Dose mit einer Banderole aus foliertem Papier. "Think Positive - Be Negative" lautet ihr Motto.
Infotainment: Der auf der Dose fixierte Schlauch enthält auf der Innenseite Informationen über Verhütung und HIV. Der Entwurf "Live Love Safe" stammt von Jan Homann und Meike Rüssler.
Cleveres Design, mittelmäßiges Englisch: Um zusätzlichen Müll zu vermeiden, läßt sich der Deckel des Konzeptes "Upside-Down" nicht komplett abziehen.
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