Grün gegen Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) ist eine der häufigsten Störungen im Kindesalter, wird aber zunehmend auch bei Erwachsenen beobachtet.

Typische Symptome sind Aufmerksamkeitsstörungen, Desorganisation und emotionale Instabilität. In vielen Fällen leiden die Betroffenen außerdem an Impulsivität und Hyperaktivität, was schnell zu Konflikten führen kann. Die verminderte Aufmerksamkeit kann das Lernen in der Schule und die persönliche Entwicklung beeinträchtigen.

Über die Ursachen gibt es viele Theorien, "Hilfe" kam in der Vergangenheit in erster Linie von der Pharmaindustrie. Immer mehr kritische Stimmen werden in diesem Zusammenhang laut und die Angst vor möglichen Nebenwirkungen der verordneten Psychopharmaka wächst.

Eine Studie der Universität von Illinois (USA) zeigt jedoch eine überraschend einfache Alternative auf:

Ein aktueller Verweis:

Die online-Zeitschrift telepolis hat eine inzwischen dreiteilige Serie von Jörg Auf dem Hövel veröffentlicht, die sich ebenfalls mit der ADS-Problematik kritisch auseinandersetzt. Hier gelangen Sie zu den Artikeln:

Die Epidemie der Rastlosigkeit und die Karriere des Koks für Kinder (17.10.06)

Stefan und die Geschichte vom Ritalin (4.11.06)

Wie Ritalin & Co. im Gehirn und der hyperaktiven Gesellschaft wirken (20.11.06)

Freizeitaktivitäten in grüner Umgebung verbessern die Aufmerksamkeit!

Wenn sie zuvor in der Natur gespielt hatten, konnten die untersuchten Kinder mit ADS ihre Schulaufgaben viel leichter erledigen. Dabei war es nicht von Bedeutung, was die Kinder im Grünen taten, ob sie aktiv oder passiv waren. Allein der Aufenthalt in einer grünen, sprich natürlichen Umgebung verbesserte ihre Aufmerksamkeit. Dazu braucht es keinen eigenen Garten, die Kinder müssen aber die Möglichkeit haben, eine grüne Spielumgebung in ihrer Nähe aufzusuchen. Je grüner die Spielumgebung der untersuchten Kinder, umso mehr wurden ihre Symptome gemildert, fand die Untersuchung heraus.

Haben die "Träumer", die während der Schulstunde lieber aus dem Fenster (auf den hoffentlich begrünten Schulhof) schauen, womöglich schon immer geahnt, was jetzt auch wissenschaftlich bewiesen ist?

 

Die Studie:

Faber Taylor, A., F. E. Kuo & W. C. Sullivan (2001): Coping with ADD: The surprising Connection to Green Play Settings. Environment and Behavior, Vol. 33, (1), 54-77.

Diese und weitere interessante Studien der University of Illinois, Urbana-Champaign, über die Wirkungen einer natürlichen Umgebung finden sich unter www.herl.uiuc.edu (in englischer Sprache).

 

Weiterführende Literatur:

Gebhard, U. (2001): Kind und Natur. Die Bedeutung der Natur für die psychische Entwicklung. 2., aktual. Aufl., Wiesbaden

Kaplan R., S. Kaplan, R. L. Ryan (1998): With People in Mind. Design and Management of Everyday Nature. Washington D. C./Covelo CA (USA)

Kaplan, S. (1995): The restorative benefits of nature: Toward an integrative framework. Journal of Environmental Psychology, 15, 169-182

Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz [Hrsg.] (1997): Wasser und Natur erleben. Ökologisch orientierte Spiel- und Erlebnisräume. Mainz

Ruhe, H. (2002): Natürlich gesund! Die Wirkung von Naturerleben auf die Gesundheit des Menschen. Diplomarbeit an der FH Nürtingen


Heike Ruhe
Dipl.-Ing. (FH), Heilpraktikerin, Ergotherapeutin